Südlich von Kemer, in der Nähe des Dorfes Çıralı, liegen zwei der stimmungsvollsten Sehenswürdigkeiten der Küste von Antalya direkt nebeneinander. Olympos ist eine antike lykische Stadt, deren Ruinen verstreut in einem grünen Flusstal liegen und an einem langen Kieselstrand enden. Nur ein Stück die Straße hinauf lässt die Chimaera (Yanartaş) ewige Flammen aus dem felsigen Hang züngeln. Zusammen ergeben sie einen unvergesslichen halben Tag voller Geschichte, Natur und Mythos.
Eine lykische Stadt, verloren im Wald
Olympos war einst eine wohlhabende Stadt des Lykischen Bundes und gelangte später in hellenistische, römische und byzantinische Hände, deren vielschichtige Geschichte sie alle in sich trägt. Was den Ort heute besonders macht, ist seine Lage: Statt auf kahlen Hängen zu stehen, liegen die Ruinen halb verschlungen vom üppigen Wald in einem Flusstal. Verfallene Mauern, Gräber, ein Theater, Thermen und ein monumentales Tor tauchen beim Spazierengehen aus dem Grün auf, während Schilf, Feigenbäume und Efeu den Stein zurückerobern. Es wirkt weniger wie eine aufgeräumte Ausgrabungsstätte als vielmehr wie eine echte Entdeckung.
Der Weg zum Strand
Ein schattiger Pfad zieht sich entlang eines Bachs durch das Tal und verbindet die Ruinen mit dem Meer. Folgen Sie ihm, gelangen Sie an einen langen Kieselstrand, eingerahmt von dramatischen Klippen und bewaldeten Bergen, die direkt aus dem Ufer aufragen. Die Umgebung ist wild und unberührt, ohne Hochhausbebauung im Rücken. Der Strand ist zugleich ein geschütztes Brutgebiet für Meeresschildkröten, daher werden Besucher gebeten, behutsam aufzutreten, sich am Ufer zu halten und alle markierten oder abgesperrten Bereiche zu respektieren, besonders während der Brutzeit.
Die ewigen Flammen der Chimaera
Eine kurze Fahrt von Olympos und ein kurzer, stetiger Aufstieg über felsigen Boden bringen Sie nach Yanartaş, der Chimaera. Hier brennen Dutzende kleiner Flammen direkt aus Spalten im Berghang, gespeist von Gas, das aus dem Erdinneren entweicht. Sie züngeln hier seit Tausenden von Jahren und lassen sich kaum löschen; erstickt man eine, entzündet sie sich meist von neuem. Verstreut zwischen den Felsen liegen die Überreste eines antiken Tempels, die ahnen lassen, wie heilig diese seltsamen, sich selbst erhaltenden Feuer einst waren.
Mythos, Magie und nach Einbruch der Dunkelheit
Die Menschen der Antike brachten diese Flammen mit der Chimaera in Verbindung, dem feuerspeienden Ungeheuer der griechischen Mythologie, halb Löwe, halb Ziege, halb Schlange, das vom Helden Bellerophon auf dem geflügelten Pferd Pegasus erschlagen worden sein soll. Der Legende nach lag das Untier unter dem Berg gefangen, und sein Atem stieg noch immer durch den Fels empor. Tagsüber sind die Flammen stimmungsvoll, doch nach Einbruch der Dunkelheit werden sie wahrhaft magisch, wenn ihr Schein sich von der Nacht abhebt und der Hang geradezu lebendig wirkt. Viele Besucher legen ihren Aufstieg bewusst auf die Dämmerung oder den Abend.
Praktische Tipps für Ihren Besuch
Tragen Sie festes, geschlossenes Schuhwerk: Der Weg zu den Flammen ist uneben und felsig, und auch die Ruinen von Olympos erfordern das Gehen auf naturbelassenem Untergrund. Nehmen Sie Wasser und Sonnenschutz mit und, falls Sie einen abendlichen Besuch der Chimaera planen, eine Taschen- oder Stirnlampe für den Rückweg im Dunkeln. Packen Sie eine kleine Tüte mit Snacks ein. Öffnungszeiten und Zugang können je nach Jahreszeit variieren, prüfen Sie das also vor Ihrer Anreise. Respektieren Sie den geschützten Strand und die Ruinen, nehmen Sie sämtlichen Müll wieder mit und entzünden Sie niemals eigene Feuer in der Nähe der natürlichen Austrittsstellen.
Wann man hinfahren sollte und was in der Nähe liegt
Frühling und Herbst bringen angenehme Temperaturen und ruhigere Wege, während der Sommer mit dem Reiz des Badens lockt, auch wenn es dann voller ist. Für die Chimaera ist der späte Nachmittag bis in den Abend ideal, sodass Sie zusehen können, wie die Flammen heller werden, während das Licht schwindet. Ausgangspunkt für beide Sehenswürdigkeiten ist das beschauliche Dorf Çıralı mit seinen kleinen Pensionen und Cafés am Strand. Der lebhafte Ferienort Kemer liegt eine kurze Fahrt nördlich, während Antalya, Phaselis und weitere Höhepunkte der lykischen Küste für einen längeren Tagesausflug allesamt gut erreichbar sind.